Samstag, 8. Januar 2011

This womans work


kate bush "this woman's work"
Hochgeladen von miklo. -

Oder besser. This womans life.

Ich habe jetzt eine ziemlich lange Zeit überlegt, ob ich diesen Beitrag schreibe oder nicht. Ich habe mich dafür entschieden, um evtl.. dem einen oder anderen eine Entscheidung zu erleichtern.

Wie man meinen früheren Beiträgen entnehmen kann, bin ich depressiv. Und die letzten knapp 3 Jahre waren die Hölle, da ich zu allem Überfluss in meinem letzten Job permanent Mobbing ausgesetzt war. Daher habe ich über diesen Job auch nicht geschrieben, es war einfach zu schmerzhaft. Mit allen Kollegen war ich freundschaftlich verbunden, nur dieser eine hasste mich. Jeder Tag war eine Qual, die ganze Situation hat mich so gelähmt und erschöpft, es ging hin bis zu Selbstmordgedanken. Ja, auch ein Coach kann scheitern. Egal was ich tat, nichts konnte die Situation verbessern. Und vergangenen März wurde ich hinausgeschmissen. (2 Wochen später auch die einzige andere Kollegin, die versucht hat, diesen Mitarbeiter zur Arbeit zu zwingen.) ER war halt unverzichtbar.

Es war unglaublich, das Opfer wird gekündigt….

Kaum war der Dauerdruck weg, bin ich komplett zusammengebrochen. Körperlich wie seelisch. All die festgefressenen negativen Gedanken fingen heftig an zu zirkulieren, “was mache ich wenn meine Eltern sterben”, “ich Muss kreativ sein”, was mache ich mit dem Rest meines Lebens”, “Warum habe ich keine Kinder” usw.. usw..

Ich konnte kaum noch atmen, geschweige denn, einen neuen Job suchen. Ich saß 3 Monate lang nur paralysiert auf meiner Couch. Meine Fibriomyalgie und Athrose haben mich zusätzlich belastet, die Beschwerden schienen sich um das 10fache gesteigert zu haben. Verzweifelt habe ich versucht, einen Psychotherapeuten zu finden, aber alle hatten eine Warteliste so lang wie mein Arm.

Die einzigen Menschen, die ich in dieser Zeit gesehen habe, war meine Familie. Irgendwann kam in der Mittagspause ein Thema auf, bei dem meine sorgsam zusammengehaltene Fassade zusammenfiel. Nachdem ich alles rausgeblubbert hatte, schickte mich meine Mutter zum Neurologen. Japp, richtig gelesen. Neurologe.

Glücklicherweise bekam ich gleich am nächsten Tag einen Termin. Sein Name war bereits ein gutes Omen ;-). Ihm schilderte ich meine ganze Lage, natürlich wieder mit sämtlichen Waterworks. Ich konnte anscheinend nicht mehr über mich sprechen ohne Heulkrämpfe zu bekommen.

Langer Rede kurzer Sinn: Er hat mir milde Antidepressiva aufgeschrieben. Jaaaaaaaaaa, ich weiß, ich war ja immer so stolz drauf, es ohne geschafft zu haben. Mann sollte mich verprügeln. 10 Jahre meines Lebens habe ich verschenkt, Minimum.

Mir geht es gut. Das erste Mal seit sehr langer Zeit fühle ich mich wie ich selber. Ich habe wieder Energie, fühle mich nicht mehr getrieben, kann wunderbar ohne Alpträume Schlafen, kurzum: ich habe mein Leben zurück.

Ich habe wieder eine Perspektive.

Und was habe ich nicht alles schon verändert, genäht wie ein Berserker, Modelliert, gezeichnet, Wohnung und Keller ausgemistet, Möbel umgebaut und lackiert… Ich schminke mich wieder, habe Freude an schönen Klamotten und gehe nicht ohne Schmuck aus dem Haus. Und ich habe einen neuen Job. Einen, um den ich mich nicht beworben habe, mit Kundenkontakt nonstop. Und die Kunden lieben mich. Erst gestern sagte eine Kundin, “egal wann man reinkommt, immer strahlt Sie.”

Natürlich habe ich immer noch Probleme, die verschwinden nicht von allein. Aber ich sehe Sie in der richtigen Relation und kann sie angreifen und bearbeiten.

Antidepressiva haben immer noch das Stigma der Drogen. Das ist aber schon lange nicht mehr so. Wenn es euch nicht gut geht, und ein Psychologe oder Neurologe bietet Euch diese Hilfsmittel an, sagt “JA”. Es hat keinen Sinn, barfuß durch die Hölle zu laufen, wenn man durch die Nebentür entkommen kann. Oder wie meine Hausärztin mal in anderem Zusammenhang sagte: “Spielen Sie nicht den Helden!”.

Ich habe durch meinen Starrsinn diesbezüglich Jahre meines Lebens verloren. Lasst nicht zu, dass euch das auch passiert.

1 Kommentar:

indivisuell hat gesagt…

Das ist so, so, so gut, dass Du das gemacht hast! Und danke für Deinen Bericht, ich bin mir sicher, dass das anderen eine Hilfe sein kann, manchmal ist es nicht so leicht, einen Weg durch den medizinischen Dschungel zu finden.
Ich freue mich auch, dass Du soviel Energie und Tatkraft zurückgewonnen hast. Hoffentlich folgen hier noch viele weitere Beiträge!

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...